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Fütterung von Arbeitsziegen Die meisten Angaben zur Ziegenfütterung beziehen sich auf die Fütterung von Leistungsziegen, die entweder zur Milch- oder zur Fleischproduktion eingesetzt werden. Diese Haltungsform erfordert eine hohe Zufuhr an Eiweiss und energiereicher Nahrung, um eine möglichst hohe Milchleistung bzw. tägliche Fleischzunahme zu erreichen. Ganz anders ist hingegen eine Arbeitsziege zu füttern. Hier kommt es nicht auf Hochleistungen an, sondern auf eine gleichmässige Versorgung der Muskulatur und des Skeletts mit Nährstoffen, damit eine gleichbleibende Arbeitsleistung gewährleistet ist. Gottseidank sind Ziegen sehr gute Futterverwerter, so dass eine Arbeitsziege, die nicht im Arbeitseinsatz ist, mit gutem Heu (rohfaser- und kräuterreich), ausreichend Wasser und Mineralbeifutter sowie Zweigen von Laub- und Obstbäumen eine gute Grundversorgung erhält. Bei Arbeitsleistung (tragen und/oder ziehen) sollte dann ein Ergänzungsfutter (meist Getreide) zugefüttert werden. Und hier beginnt die Problematik! Durch Getreidegaben kann es zu Störungen in der Pansenflora bis hin zu chronischen Schleimhautentzündungen und/oder zur Bildung von Harnsteinen kommen. Da Arbeitsziegen Leistung erbringen müssen, ergibt es sich fast von selbst, dass auch bei diesen Tieren regelmässig auf Parasitenbefall kontrolliert werden muss. Findige Tierhalter können regelmässige Kotuntersuchungen auch selbst machen - eine Anleitung zur Untersuchung per Flotationsverfahren finden Sie hier. ACHTUNG! Im Verdachtsfall sollten Sie, wenn Sie unsicher sind, ein Labor mit einer professionellen Kotuntersuchung beauftragen. Wie kommt es zu Steinbildung? Getreide ist meist arm an Calcium und reich an Phosphor. Ziegen benötigen ein Calcium:Phosphor-Verhältnis von 2:1 bis 2,5:1. Durch ein ungünstiges Calcium:Phosphor-Verhältnis wird die Bildung von Calciumcarbonat- oder Calciumoxalat-Steinen (bei überdosiertem Calciumgehalt) oder von Struvitsteinen (durch zu viel Phosphor in der Ration) gefördert. Eine weitere Ursache für die Bildung von Steinen, in diesem Fall Silikatsteinen, ist eine Überdosierung von Kieselerde. Diese findet sich allerdings auch in verschiedenen Pflanzen, die zur normalen Nahrung von Ziegen gehören z.B.Brennesseln.. Eine weitere Ursache für Steinbildung ist im Wasser zu suchen: sehr mineralstoffhaltiges Wasser oder zu wenig Wasser.
Warum ist dies bei Ziegenböcken, insbesondere bei kastrierten Böcken ein so grosses Problem? Die Harnröhre des Ziegenbocks ist sehr eng und anatomisch "ungünstig" geformt, so dass sich Steine sehr leicht festsetzen und die Harnröhre blockieren können. Der Harn kann nicht mehr abfliessen und staut sich in der Blase, teilweise sogar bis in die Niere zurück, was entsprechende Schmerzen, Krämpfe und kolikartige Symptome verursachen kann. In schlimmen Fällen kann die Harnröhre platzen und der Harn ergiesst sich in den Bauchraum.
Was kann gegen Steinbildung getan werden? - immer ausreichend Wasser zur Verfügung stellen, wenn ein Bock nicht ausreichend trinkt, kann durch das Beimischen von Apfelessig das Wasser geschmacklich "aufgewertet" werden. Im Winter warmes Wasser anbieten. - achten Sie auf ein ausgewogenes Mineralstoffverhältnis (s. oben) - verfüttern Sie nicht zuviel Getreide oder pelletiertes Futter. Verabreichen Sie Getreide oder Pelletfutter in kleinen Rationen, am besten mehrmals täglich - achten Sie auch beim Heu darauf, dass Sie calciumarmes Heu verfüttern (z.B. Alfalfa ist calciumreicher als Grasheu). - es wird vermutet, dass eine spätere Kastration eine Disposition zur Steinbildung verringern kann, da die Harnröhre sich erst unter dem Einfluss der Geschlechtshormone vollständig ausbildet. Wenn Sie einen Bock zur Arbeitsziege ausbilden wollen, sollten Sie ihn frühestens im Alter von 4 bis 6 Monaten kastrieren lassen. - Bewegung fördert die Harnbildung. Lange Trainingspausen im Winter sollten vermieden werden, kürzere Spaziergänge erhalten Kondition und Gesundheit.
Mineralstofftabelle: Und hier einige Futterstoffe und deren Mineralstoffinhalt:
Die Angaben für Weide und Heu sind Richtwerte. Genauere Werte erhalten Sie, wenn Sie Ihre Weide bzw. Ihr Heu auf Inhaltsstoffe analysieren lassen. Hier finden Sie eine Aufstellung der wichtigsten Blutwerte bei Ziegen. Pansendysbiose / Chronische Schleimhautentzündung des Pansens: Neben der Problematik von Steinbildung ist ein häufig bei Ziegen gefundenes, aber meist nicht erkanntes Problem eine Dysbiose des Pansens, verursacht durch Futter, das die Pansenbakterien lang anhaltend schädigt. Dadurch kommt es zu Reizungen der Pansenschleimhaut mit eventueller Rückbildung der Zotten, die für die Resorption lebenswichtiger Substanzen benötigt werden. Trotz ausreichender Fütterung kommt es zu sog. Malabsorption = Mangelernährung durch nicht ausreichende Absorbierung der Nahrung. Die Ziegen erscheinen "unersättlich", schreien viel und grundlos (vermutlich durch Schmerzen im Pansen aufgrund der Schleimhautreizung), magern ab und zeigen sich teilweise aggressiv und reizbar gegenüber Artgenossen. Welche Futtersorten verursachen dieses Problem? Alle kohlenhydratreichen, rohfaserarmen Futtermittel: - Getreide: Hafer, Weizen,
Mais, etc. Wie ist hiermit umzugehen? Obwohl die erste Reaktion meist ist, den Tieren mehr "Kraftfutter" zu verabreichen, da sie so mager sind, ist die beste Therapie zur Re-Sanierung der Pansenbakterien eine Diät aus artgerechtem, rohfaserreichem Futter: - hochwertiges Heu Welche Futtersorten können zur Rationsaufwertung gefüttert werden? Da Kraftfuttergaben immer problematisch zu sehen sind, ist zu überlegen, wie bei arbeitenden Ziegen der erhöhte Bedarf an Energie gedeckt wird. Wir haben gute Erfahrungen mit der kontrollierten Verfütterung von sog. Grascobs (Pre-Alpin, Fa. Agrobs) als Kraftfutterersatz gemacht. Diese Pellets sind gross genug, dass sie ausreichend gekaut werden mussen und bestehen darüberhinaus nicht aus vermehlten Bestandteilen sondern noch immer aus Grasfasern, die nährstoffschonend getrocknet und gepresst wurden. Um die mögliche Gefahr einer Pansenruptur bei übermäßiger Aufnahme und späterem Quellen der Pelletts im Pansen zu vermeiden, können die Grascobs auch ca. 1/2 Stunde vor dem Verfüttern in ausreichend Wasser eingeweicht werden. Allerdings sinkt dadurch die Akzeptanz bei den Tieren. Wir gehen daher so vor, dass wir den arbeitenden Ziegen separat und von Hand in kleinsten Mengen die erforderliche Ration verfüttern. Durch die separate Fütterung wird der immer vorhandene Futterneid bei Ziegen und das dadurch bedingte zu hastige Fressen abgeschwächt und die Tiere kauen sorgfältiger. Gehäckseltes, melassiertes Luzerneheu (z.B. Dodson & Horell) kann in kontrollierten Mengen ebenfalls verfüttert werden, wobei hier jedoch auf die indiviudelle Verträglichkeitsgrenze der Tiere geachtet werden muss. Luzerne kann Pansenblähungen, Hautstörungen (Photosensibilität) und Hormonstörungen (Zyklusstörungen) verursachen, wobei diese Probleme meist bei übermässiger oder alleiniger Verfütterung von Luzerneheu auftreten. Mengen von 100-250 gr. pro Gabe, mehrmals pro Woche sollten jedoch keine Probleme verursachen. |
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