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Fahrtraining

Nach gut verlaufener Grundausbildung kann bei entsprechendem Alter der Ziege gleichzeitig mit den ausgedehnteren Spaziergängen mit dem Fahrtraining begonnen werden.Soll die Ziege weiterhin geführt und nicht gefahren werden, handelt es sich "nur" um einen Ausbau des erschwerten Führtrainings mit Gewöhnung an ein Zuggeschirr, die Zugleinen und das Fahrzeug.Als Zuggeschirr kann ein eigens dafür angefertigtes Geschirr verwendet werden (siehe unter "Bilder). Wem das zu aufwendig ist oder wer keinen guten Sattler ausfindig machen kann, kann sich auch mit einem Zuggeschirr für grosse Hunde behelfen. Hier muss jedoch auf die etwas andere Anatomie der Brust- und Schulterregion Rücksicht genommen werden. Auch entsprechend große Halfter für Pferde können, passend abgepolstert, Verwendung finden. Während Sie bei hornlosen Tieren Geschirre und Halfter einfach über den Kopf ziehen können, müßen Sie bei gehörnten Tieren auf Ausführungen zurückgreifen, die am Halsteil geöffnet werden können.

Sie können Ihre Ziege weiterhin am Halsband führen, ein genaueres, sichereres und kontrollierteres Führen ist allerdings nur mit einem Halfter möglich. Auch hier besteht die Möglichkeit, sich im Schaf- und Ziegenfachhandel ein Halfter zu besorgen, einen Sattler zu bemühen oder sich mal wieder bei den Hunden zu bedienen. Die "Halti" genannten Kopfhalfter für schwerführige Hunde passen in den Ausführungen 2 bis 4 (je nach Größe der Ziege) recht gut auf einen Ziegenkopf, sind gut verarbeitet und drücken und scheuern nicht. Der Genickriemen neigt jedoch dazu, tief in den Nacken der Ziege zu rutschen, wodurch Druck auf den Nasenriemen ausgeübt wird. Ein schmales Lederband als Stirnriemen hält den Genickriemen in Position.


Körperseil zur Gewöhnung an Leinen und GeschirrDie Gewöhnung an Zuggeschirr und -leinen kann in einem Zwischenschritt durch die Verwendung eines sog. Körperseils erfolgen. Das Körperseil wird einmal zur Gewöhnung von Fahrpferden an den Druck und die Berührung von Leinen auf und an Kruppe und Hinterhand verwendet, andererseits benutzt man es, um Tieren mit einem schlechten Körpergefühl eine "Idee" von ihren Hinterbeinen zu vermitteln. Wer sich darüber mehr informieren will, dem seien die entsprechenden Bücher von Linda Tellington-Jones empfohlen.Als Zugfahrzeug kommen verschiedenste Bauweisen in Betracht. Am häufigsten finden einachsige, zweirädrige Karren mit einer starren Schere (Bezeichnung der Deichsel bei einspännigen Fahrzeugen) Verwendung, die von einer Ziege gezogen werden können, gefolgt bzw. gleichgesetzt mit Leiter- und/oder Bollerwagen, die sich wiederrum besser für das zweispännige Fahren eignen. Wie bereits erwähnt, darf eine Ziege maximal das 1 1/2fache ihres Gewichtes ziehen. Das muss beim Kauf/Bau eines Karrens berücksichtigt werden, damit nicht schon das Eigengewicht des Fahrzeugs die maximale Zuglast ausmacht. Für einspännig gefahrene Ziegen ist hier Fahrzeugen in Leichtbauweise eindeutig der Vorzug zu geben. Auch sollte man bei einachsigen Karren durch Verschieben der Achse bwz. Gewichte an der Unterseite des Karrens das Gleichgewicht dahingehend verschieben, dass möglichst kein Gewicht auf der Schere liegt, was der Ziege die Zugarbeit sehr erleichtert.Wie auch immer, der Sicherheitsaspekt des Fahrzeugs darf nicht unterschätzt werden. Soll mit dem Gespann am Strassenverkehr teilgenommen werden, sind zwei reflektierende Rücklichter (rote Katzenaugen) Mindestanforderung. Wer regelmässig in der Dämmerung oder Nacht unterwegs ist, sollte die Installation von batteriebetriebenen Fahrrad-Rückleuchten erwägen. Reflektierende Seitenstreifen am Fahrzeug und am Zuggeschirr erhöhen die Sichtbarkeit von der Seite.Weiteres MUSS ist eine funktionierende Bremse sowie ein, besser zwei Bremskeile, die zusätzlich mitgeführt werden und an steilen Hängen zur Unterstützung der Bremse untergelegt werden.

Zur eigenen Sicherheit, aber auch, um Unfälle im Strassenverkehr zu vermeiden, sollte man sein Gefährt regelmässig von einem TÜV-Mitarbeiter durchsehen lassen.


Kommen wir zur "richtig" gefahrenen Ziege: die Ziege zieht, Sie sitzen auf dem Bock und lenken.

Der Ausbildungsschritt hierzu wird "Fahren von Boden" genannt. Die Ziege trägt ein Halter mit seitlichen Ringen sowie das Zuggeschirr. Vom Halfter/Kopfstück aus führen zwei lange Führleinen durch entsprechende Ringe, die am Rückenteil (Sattel) des Zuggeschirrrs angenäht sind, in die Fahren vom Boden ausHände der Führperson. Diese steht hinter der Ziege, ein Helfer bleibt am Kopf der Ziege stehen und führt diese ganz normal an. In Abstimmung mit dem Helfer werden jetzt Wendungen, Richtungswechsel, Kreise, Schlagenlinien, Stopps, Rückwärtsgehen durch Zug an den Leinen und - unterstützend - Wortkommandos (z.B. rechts - links - zurück - geh - los) geübt. Schrittweise entfernt sich der Helfer immer mehr vom Kopf der Ziege, bis diese schliesslich nur von der Führperson hinter ihr gelenkt und gesteuert wird. Hilfreich für diesen Teil der Arbeit ist der Aufbau von einem Parcours mit Stangen, die Gassen und Kurven simulieren, Verkehrs-Hütchen, Autoreifen, Fässer, um die herumgesteuert werden muss. Sie bilden Bezugspunkte für Sie und die Ziege zur besseren "Navigation" und machen der verspielten Ziege den "Sinn" all dieser Kreise und Wendungen klarer.Wenn Sie es sich zutrauen, arbeiten Sie zusätzlich mit einer sog. Fahrpeitsche. Die ist NICHT zum schlagen oder anspornen gedacht, sondern zum unterstützenden sanften Berühren - touchieren - beim Fahren. Diese Anwendung ist recht schwierig ohne entsprechendes Anschauungsmaterial zu erklären. Nehmen Sie sich am besten Zeit und schauen Sie einem guten Kutschfahrer mehrmals bei der Arbeit zu bzw. bitten Sie ihn, Ihnen den korrekten Umgang mit einer Fahrpeitsche zu zeigen. Ist derjenige aufgeschlossen, wird ihn die Idee, eine Ziege zu fahren, vermutlich begeistern und er wird Ihnen auch weiterhin mit vielen guten Tipps zur Seite stehen.

Da es auch hierzu im Pferdebereich schon einiges an Literatur gibt, scheuen Sie sich nicht, von dort feste zu "klauen".


Gewöhnung an`s Ziehen:

Es widerspricht der Natur fast jeden Tieres, auf einen Druck nach hinten weiter vorwärts zu gehen. Hier können also mögliche Schwierigkeiten liegen, wenn Sie Ihre Ziege an's tatsächliche Ziehen gewöhnen wollen. Am besten arbeiten Sie auch hier mit einem Helfer, der sich als "Totgewicht" zur Verfügung stellt. Sie selbst führen die Ziege wie gewohnt, während der Helfer an zwei Seilen, die am Zuggeschirr befestigt sind, hinterhergeht und erst leichten, dann auch stärkeren Zug nach hinten ausübt, sich quasi mitziehen lässt. Mit entsprechender Motivation Ihrerseits und viel Belohnung wird Ihre Ziege sehr schnell verstanden haben, dass sie gegen diesen Zug weitergehen soll. Unterstützend, sozusagen selbstbelohnend, sollte der Helfer dann auch immer nach einem wirklich guten Anziehen der Ziege den Druck nachlassen und wie ein Wagen, der in Fahrt gekommen ist, nur noch unter leicher Anspannung der Seile mitlaufen.

Ziege mit TravoisSollten Sie keinen Helfer zur Verfügung haben, können Sie sich auch ein Travois, wie es die Indianer jahrhundertelang verwendet haben, bauen und der Ziege anlegen. Die Last ist durch die geringe Auflagefläche leicht zu ziehen und das Arbeiten mit Travois stellt eine gute Zwischenübung oder auch Abwechslung zur normalen Zugarbeit dar. Sie können mit einem Travois aber auch "richtige" Arbeit verrichten z.B. um Heuballen zu ziehen oder Gestrüpp und Baumschnitte (z.B. Tannenzweige als Winterbeifutter) aus unwegsamen Abschnitten zu holen. Das Travois ist in der Breite variabel und durch nur zwei Auflagepunkte extrem "geländegängig".

Nun zum letzten Punkt - das Anspannen.Copyright Harness Goat Society

Das ist gleich, ob Sie nun die Ziegen führen oder fahren und auch hier ist etwas Vorbereitung nötig. Wenn Sie ihr Gefährt selbst bauen, mussten Sie an irgendeinem Punkt der "Bauphase" die Länge der Schere bestimmen. Gehen wir davon aus, dass die Schere zu ihrer Ziege passt. Nun müssen Sie noch die Länge der Zugleinen entsprechend anpassen. Die Ziege sollte zwischen der Schere stehen d.h., die Schere reicht ungefähr bis auf Höhe des Buggelenks. Gleichzeitig darf die Zugleine nicht so kurz sein, dass der Wagen z.B. beim Bergab-Fahren der Ziege in die Hinterbeine rollt. Um das zu verhindern, wird das Zuggeschirr an zwei Ösen rechts und links mit der Schere verbunden. Bei zweispänniger Anspannung führen zwei "Aufhalter" genannte Lederriemen zur Deichselbrille, einem waagrecht an der Deichsel angebrachten Rundholz mit entsprechenden Ösen an jedem Ende. Die Deichselbrille wird wie ein Waagscheit beweglich an der Deichsel befestigt, um Ungleichmäßigkeiten im Gelände ausgleichen zu können.Gerade bei selbstgefertigem Zuggeschirr werden Sie dann ein Weilchen probieren müssen, bis alles richtig sitzt.OK - die Ziege ist erfolgreich angespannt, sie hat zuvor ziehen gelernt und nun geben Sie das Kommando zum losgehen. VORSICHT! Bleiben Sie die ersten Male am Kopf der Ziege und führen sie ganz normal an, bis sie sich an das Geräusch der rollenden Räder und die Nähe des Wagens direkt hinter ihr gewöhnt hat, sonst endet ihr erster Fahrausflug mit einer panisch flüchtenden Ziege im nächsten Graben.Geht alles gut, setzen Sie sich auf den Bock, falls Sie "richtig" fahren wollen (evtl. noch mit einem Helfer, der neben der Ziege mitgeht) und einer erfolgreichen Karriere Ihrer Ziege als Arbeitsziege steht nun eigentlich nichts mehr im Weg. Die ersten Male sollten Sie vielleicht noch auf einem größeren Platz das Lenken und Rangieren üben, damit auch Sie ein Gefühl für die Abmessungen Ihres Gefährts bekommen.

Hier finden Sie weitere Bilder und Tipps zum Fahren und Anspannen.

Und wann machen Sie Ihren ersten Einkauf mit dem Ziegen-Mobil?

 

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